Jahresrückblick 2008: Entwicklungen in den Projekten in Kibera (Kenia) und Recife (Brasilien)
Liebe Freunde und Förderer,
ein weiteres erfolgreiches Jahr der Unterstützung von Projekten für Kinder und Jugendliche in Kenia und Brasilien liegt hinter uns. Gerne möchten wir nun auf das vergangene Jahr zurück blicken und Ihnen die neuesten Entwicklungen bezüglich unserer Projekte und Aktivitäten darlegen.
Der gemeinnützige Verein CASA Kibera e.V. war im August 2005 ursprünglich im Rahmen einer studentischen Initiative gegründet worden. Im vergangenen Jahr haben jedoch viele unserer Mitglieder ihr Studium beendet und sind ins Berufsleben eingetreten. Da der Verein ausschließlich ehrenamtlich geführt wird, hat dies Einfluss auf unsere Informations- und Kommunikationsarbeit genommen. Leider ist es uns zeitlich nicht mehr möglich schriftlich laufend bzw. unterjährig über die Aktivitäten in den Projekten zu berichten. Wir haben daher beschlossen, zukünftig einmal jährlich im Dezember allen unseren Spendern zum jeweils vergangenen Jahr Bericht zu erstatten. Auf unserer Homepage werden wir uns weiterhin bemühen, wie bisher jedes Quartal über aktuelle Entwicklungen zu informieren.
Sollte Ihnen eine jährliche schriftliche Information nicht ausreichen, so haben wir vollstes Verständnis, wenn Sie die entsprechenden Konsequenzen ziehen. Wir würden uns jedoch sehr freuen, wenn Sie uns und unsere Projekte auch weiterhin unterstützen. Die Qualität der Arbeit in den Projekten ist von dieser Entwicklung nicht betroffen. Die Projekte werden vor Ort weiterhin von erfahrenen Projektleiter/innen geführt, welche dem Verein regelmäßig berichten, und von den jeweils zuständigen Vereinsmitgliedern eng begleitet werden.
Die “Chill And Stay Alive Group” in Kibera, Kenia
Das vergangene Jahr verlief für die insgesamt 19 Schülerinnen im Alter von 16-24 Jahren und Ihre Ausbilderin bzw. Projektleiterin Frau Omoga sehr turbulent. Nachdem das Jahr in Kenia tragisch begann und die schweren Unruhen anlässlich der Präsidentschaftswahlen dazu führten, dass das Projekt länger als vorgesehen über die Weihnachtsferien schließen musste, beruhigte sich die Lage bereits im Laufe des Februars. Glücklicherweise ist keine der Schülerinnen im Zuge dieser Unruhen zu Schaden gekommen. Auch die Projektleiterin sowie ihre zwei Kinder haben die Unruhen in Nairobi gut überstanden. Hierüber sind wir natürlich sehr erleichtert. Auch die Räumlichkeiten und Besitztümer des Projekts (Nähmaschinen, Tische, Stühle etc.) sind unversehrt geblieben. Angesichts der heftigen und gewalttätigen Auseinandersetzungen in Kibera, waren dies für uns alle sehr erfreuliche Nachrichten.
Seit Beginn diesen Jahres unterstützt CASA Kibera e.V. die Schneiderschule in Kibera, dank Ihrer Hilfe, regelmäßig mit 240€ monatlich. Dieses Geld fließt vor allem in die Deckung der laufenden Kosten wie die Miete für die Räumlichkeiten der Gruppe, die Gehaltszahlung an die Ausbilderin und die Finanzierung eines täglichen Mittagessens für alle Schülerinnen. Letzteres ist besonders für unsere HIV-positiven Schülerinnen von enormer gesundheitlicher Bedeutung. Mit Hilfe einer großzügigen Spende des Inner Wheel Clubs Leverkusen-Dormagen konnten im August 16 Schülerinnen zu ihrer jeweiligen Zertifikatsprüfung angemeldet werden. Alle diese Schülerinnen haben inzwischen ihre Prüfung erfolgreich absolviert. Seit August ist außerdem eine ehemalige Schülerin, Sarah Mmbone, im Projekt angestellt. Sie unterstützt die Frau Omoga bei der Ausübung des Unterrichts und hilft bei allen im Projekt anfallenden Aufgaben, wie z.B. der Organisation des Mittagessens oder dem Kauf von Stoffen und Materialien.
So tragisch das Jahr für die Schneiderschule begann, so endete es auch – mit einer schweren Erkrankung der Projektleiterin Frau Omoga. Dank der schnellen Unterstützung durch ein Vereinsmitglied von CASA Kibera e.V. vor Ort, konnte Frau Omoga intensive ärztliche Betreuung in Anspruch nehmen und wir sind erleichtert mitteilen zu können, dass sie sich mittlerweile auf dem Weg der Genesung befindet. So blicken wir gemeinsam mit den Schülerinnen hoffnungsvoll in das kommende Jahr. Für das Jahr 2009 haben wir uns gemeinsam mit der Projektleiterin vorgenommen, uns weiterhin um eine räumliche Vergrößerung zu bemühen, um einer größeren Anzahl an Schülerinnen die Möglichkeit einer qualifizierenden Ausbildung bieten zu können. Weiterhin von Bedeutung ist die Diversifizierung der von den Schülerinnen produzierten Gegenstände und die Identifizierung zusätzlicher Verkaufsmöglichkeiten zur Stärkung der Eigenfinanzierung der Schneiderschule.
Der “Galpão de Santo Amaro” in Recife, Brasilien
Auch in Santo Amaro, einer sogenannten „favella“ (Armutsviertel) in Recife, wurde die erfolgreiche Arbeit mit Kindern und Jugendlichen fortgeführt. Über 250 Kinder und Jugendliche nahmen im vergangenen Jahr an den zahlreichen Workshops des Jugendzentrums „Galpão dos Meninos e Meninas de Santo Amaro“ teil – das Angebot reichte von Tanz und Perkussion über Malen, Lesen, Informatik und Fußball bis hin zu dem 2006 initiierten Stelzentheater-Workshop, der durch die finanzielle Unterstützung von CASA-Kibera ermöglicht worden war. Im Juni dieses Jahres traten knapp 30 junge Stelzenläufer/-innen im Rahmen eines „Stelzen-Umzugs“ auf den Straßen Santo Amaros auf.
Ein anderes, laufendes Projekt des Galpão namens „Rede Jovem“ (Jugendnetzwerk) ging in diesem Monat zu Ende: Fünfzehn ältere Jugendliche erhielten über zwei Jahre hinweg ein monatliches „Mini-Stipendium“ und wurden zu „Multiplikatoren“ ausgebildet, um in ihrem eigenen Viertel das Gespräch mit anderen Jugendlichen zu suchen – über persönliche Themen wie Zukunftsvorstellungen, Familienverhältnisse oder Sexualität, aber auch über gesellschaftliche Problemstellungen, die junge Menschen in Santo Amaro beschäftigen, v.a. über Drogenhandel/-kriminalität und Gewalt im Alltag. Zum Abschluss dieses Projekts drehten die Stipendiaten einen kleinen Kurzfilm, der ihre Arbeit dokumentiert.
Das kommende Jahr im Galpão beginnt leider mit etwas düsteren Zukunftsaussichten: Da die Finanzierung der Gehälter der Mitarbeiter/innen – welche die Workshops leiten und damit den Galpão mit Leben füllen – noch nicht gesichert ist, müssen diese mindestens vier Monate pausieren. Erst danach wird sich entscheiden, ob sie wieder eingestellt werden können. Bis dahin wird die Arbeit im Rahmen der verbleibenden Möglichkeiten weiter fortgeführt – von den beiden Leitern des Zentrums, einer Bürokraft, und einigen ehrenamtlichen Helfern. Denn eines ist klar: Die Kinder und Jugendlichen in Santo Amaro brauchen den Galpão. Er bietet ihnen die Möglichkeit, soziale Netzwerke aufzubauen, gemeinsam neue Lernerfahrungen zu machen und Perspektiven jenseits der alltäglichen Armut und Gewalt in ihrem unmittelbaren Umfeld kennen zu lernen. Wir hoffen, dass wir mit CASA-Kibera auch weiterhin den Galpão unterstützen können, um den Kindern und Jugendlichen diesen „sicheren Hafen“ weiterhin offen zu halten.
Hier ein kleiner Weihnachtsgruß des Galpão:
Wir möchten uns an dieser Stelle bei allen Spendern und Fördermitgliedern herzlich für Ihre Unterstützung unserer Arbeit bedanken und wünschen Ihnen allen ein fröhliches Weihnachtsfest und besinnliche Feiertage!