"Chill and Stay Alive Kibera" - Nairobi Kenia

März 2007 - Besuch von Modedesignstudenten aus Mailand


Text: Martin Dirr, Alle Fotos: Davide Farabegoli

Vom 05.03. bis zum 15.03.07 besuchten zwei Modedesigner aus Mailand Nairobi und die „Chill And Stay Alive Selfhelpgroup“ in Kibera. Begleitet wurden beide von einem Fotograph und Martin Dirr von CASA-Kibera e.V.

Davide Farabegoli  CASA-Kibera Nairobi Kibera
Davide Farabegoli Nairobi Kibera
Davide Farabegoli Nairobi Kibera

„Anarchists of Fashiondesign“ (Italian Vogue)
Die zwei Designstudenten Philippe und Linda sorgen zurzeit für Wirbel in der Mailänder Modewelt. Durch ihren innovativen und einzigartigen Designstyle und ihre offene Kritik an der Kurzlebigkeit der Modewelt und den negativen Folgen unserer Wegwerfgesellschaft generell erregen sie das Aufsehen bei Experten und der Fachpresse. Das renommierte Modemagazin „Vogue“ widmete ihnen kürzlich sogar einen Artikel mit dem Titel „Anarchisten des Modedesign“. Ein wenig anarchistisch und trotzdem stylisch sehen dementsprechend auch die von ihnen entworfenen Kleidungsstücke aus. Ihre innovative Grundidee ist die „Wiederverwertung“ alter Secondhand-Kleidung zu neuen Kleidungsstücken. Diese neuen Kleidungsstücke sollen modisch aussehen aber auch die Geschichte der ursprünglichen Kleidung in die Gegenwart transportieren und die oben erwähnte Kritik an der Wegwerfgesellschaft Gestalt werden lassen. So kann es passieren, dass aus einer Hose und einem Rock ein Pullover, aus einem Hemd ein Rock oder aus einer Weste eine Handtasche wird. Wer sich für die Arbeit der beiden jungen Designer interessiert kann sich auf der Webseite ihrer kürzlich gegründeten Firma „Ting-Ding“ (www.ting-ding.com) ein ausführliches Bild machen.

Durch persönliche Verbindungen zu CASA-Kibera e.V. wurden die beiden Modedesigner auf die von uns geförderte Schneiderschule „Chill And Stay Alive Selfhelpgroup“ in Kibera, dem größten Slum von Nairobi aufmerksam und bekundeten schnell ihr Interesse an einer Zusammenarbeit. Durch den Verein erfuhren sie zudem über die Probleme der hiesigen Textilindustrie, welche insbesondere durch die Konkurrenz von Secondhand-Kleidung aus Europa und Nordamerika vom lokalen Markt verdrängt wurden. Oft enden Kleidungsstücke die z.B. hier in Deutschland aus guten Absichten für die Altkleidersammlung gespendet werden auf den riesigen kommerziellen Secondhand-Märkten in Afrikas Großstädten wo sie gewinnbringend verkauft werden und vielerorts die lokale Kleidungsindustrie verdrängen. Hier sahen wir dann mögliche Verknüpfungspunkte zwischen der Situation in Afrika und der Arbeit von den zwei Studenten Philippe und Linda.
Das zusammen erarbeitete und über den Aufenthalt in Nairobi weiterentwickelte Projektkonzept basiert demnach auf zwei Säulen:

  1. Durch die Zusammenarbeit mit der Schneiderinnen Schule in Kibera vermitteln die beiden Designer den Schülerinnen aber auch gegebenenfalls der Ausbilderin Gaudensiah Wissen und Techniken, wie sie aus lokal verfügbaren, relativ kostengünstigen Materialien neue Kleidungsstücke designen und herstellen können. Mittelfristiges Ziel ist es, dass die Schule in die Lage versetzt wird eine kleine Kollektion and Kleidungsstücken nach individuellen Massen anfertigen zu können. Angestrebt ist mit dieser Kollektion kostengünstig im kleinen Rahmen den lokalen Markt mit lokal hergestellten Produkten zu bedienen.
  2. Philippe und Linda kaufen Seconhand-Kleidung in Nairobis Secondhand-Märkten ein und fertigen aus diesen eine Kollektion an welche sie dem Fachpublikum in Mailand präsentieren. Hierbei „reimportieren“ sie die Geschichte der Secondhand-Kleidung zurück nach Europa und können zudem auf die negativen Folgen der Kurzlebigkeit von Moden und Trends sowie der Wegwerfgesellschaft hinweisen auch wenn sie in diesem Falle oft aus „gutgemeinten“ Absichten erfolgte.

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