| 1. Die Situation
Der
„Galpão dos Meninos e Meninas de
Santo Amaro“ ist eine Nichtregierungsorganisation,
die 1984 gegründet und am 27.04.1992 als
gemeinnützige Organisation anerkannt wurde.
Sie befindet sich in Recife, einer der größten
Metropolen Nordost-Brasiliens (gut 1,4 Mio.
Einwohner), im Viertel Santo Amaro. Santo Amaro
gilt als eine der größten und gewalttätigsten
favelas Recifes. Die meisten Haushalte (durchschnittlich
5-7 Personen) haben weniger als den Mindestlohn
(300 Real pro Monat, ca. 120 Euro) zum Leben
zur Verfügung. Die Arbeitslosigkeit ist
extrem hoch, viele Familien überleben mit
informeller Arbeit und Müllsammeln, die
Kinder müssen meist am Familieneinkommen
mitarbeiten. |
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Santo
Amaro ist eines der Zentren des Drogenhandels Recifes.
Die bewaffneten Drogenbanden haben das Viertel in
der Hand, bei den Schießereien zwischen rivalisierenden
Gruppen kommen regelmäßig Menschen um.
In den meisten Familien ist mindestens ein Mitglied
am Drogenhandel beteiligt, bereits Kinder und Jugendliche
werden als Kuriere benutzt. Viele Familien zerfallen,
die Eltern, oft überfordert mit ihrer Lebenssituation,
sind alkohol- und drogenabhängig. In vielen Fällen
ist die Armut so groß, dass nicht genügend
Lebensmittel zur Verfügung stehen. Kinder, Jugendliche
und Frauen sind Opfer von häuslicher und sexueller
Gewalt und sexueller Ausbeutung. Menschen aus Vierteln
wie Santo Amaro sind viele Grundrechte verwehrt, die
anderen, reichen Gesellschaftsschichten vorbehalten
scheinen: gute Bildung, eine ausreichende Gesundheitsversorgung
und menschenwürdiger Wohnraum. Dies schafft bei
den Bewohnern das Bewusstsein, in der Marginalität
zu leben.
2. Die Institution
2.1. Ziele und Organisation
Das
Ziel des Galpão ist es, Kindern und Jugendlichen,
die sich in den obengenannten Risikosituationen befinden,
Ansprechpartner im zu sein und die Entwicklung ihrer
cidadania zu fördern (etwa „Bürgerbewusstsein“).
Das heißt, Kinder und Jugendliche sollen sich
als vollständige Mitglieder der Gesellschaft
fühlen und ihre eigenen Rechte kennen. Hierbei
werden Themen wie Respekt, Selbstbewusstsein, Werte
und Lebensperspektiven, Individualität und Sexualität
mit Hilfe von Workshops erarbeitet. Außerdem
haben die Betreuten die Möglichkeit zu spielen
und in einem geschützten Umfeld sorgenfreie Momente
zu erleben. Konkret werden Workshops mit Themen wie
Tanzen, Percussion, Informatik, Kreativität,
Capoeira, Malen, Lesen, Fußball, Wissen und
Gesellschaft, Kommunikation und Journalismus angeboten.
Die Arbeit des Galpão soll integrierend mehrere
Lebensbereiche wie Wohnort, Familie, Schule abdecken.
Aufgrund der Mangelernährung vieler Kinder und
Jugendlicher wird nach den Workshops immer ein gemeinsames
Essen eingenommen.
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Das
Team des Galpão besteht aus 12 ErzieherInnen,
welche die Workshops durchführen, einem
Psychologen, der psychosoziale Betreuung in
Einzelsitzungen anbietet, einer Sozialarbeiterin,
die Familienbesuche realisiert, einigen freiwilligen
HelferInnen in Administration und Küche,
sowie dem Leiter und der Leiterin des Projekts.
Viele MitarbeiterInnen sind selbst ehemalige
Betreute des Galpão. 2005 wurden etwa
250 Kinder und Jugendliche aus Santo Amaro und
Umgebung in den Workshops betreut, weitere 500
nahmen an den Computerkursen teil. Insgesamt
erreichte der Galpão somit etwa 750 Kinder
und Jugendliche. |
2.2.
Finanzierung
Der
Galpão wird zu großen Teilen von zwei
englischen Organisationen finanziell getragen: CAFOD
(Catholic Agency for Overseas Development) und Jubileu
Action. Weiterhin gibt es Einzelpersonen, die den
Galpão mit Kleinspenden unterstützen.
An einigen Programmen der Stadt nimmt der Galpão
teil (z.B. Programm zur Auslöschung der Kinderarbeit)
und bekommt dadurch eine Kostenaufwandsentschädigung.
Manchmal erhält der Galpão Sachspenden,
wie z.B. eine Spende von 15 Computern der Banco do
Brasil. Lebensmittel erhält der Galpão
vom SESC (Servi?o Social do Comércio), eine
Vereinigung von Firmen, die soziale Projekte mit Nahrungsmitteln
unterstützt.
Finanzierungsprobleme
für nächstes Jahr ergeben sich aus folgenden
Gründen: Die CAFOD unterstützt das Projekt
mit einem Dollarbetrag. Wegen des fallenden Wechselkurses
wird das Geld „auf dem Papier“ immer knapper.
Hinzu kommt, dass der brasilianische Staat für
nächstes Jahr die Lohnnebenkosten wieder erhöht
hat, von jedem Gehalt gehen nun 31% an den Staat (was
nicht bedeutet, dass die Arbeitnehmer kranken- oder
rentenversichert wären - das geht extra). Deshalb
kann voraussichtlich nicht mehr dieselbe Anzahl von
Erziehern aufrechterhalten werden. Die Zahl der Workshops
wird sich zwangsläufig reduzieren müssen,
wenn keine andere Finanzierungsmöglichkeit gefunden
wird. Die Gehälter der Erzieher liegen zwischen
150-600 Real (50-200 Eur).
3. Das Projekt:
Stelzenworkshop
Geplant
ist ein Workshop für Januar-März 2005, in
welchem die Kinder und Jugendlichen das Stelzenlaufen
erlernen und in Zusammenarbeit mit den Leitern der
Tanz- und Percussionworkshops und mir eine Präsentation
erarbeiten, die unter anderem an Karneval 2006 aufgeführt
werden soll. Des weiteren werden die Geschichte des
Stelzenlaufens sowie die Konstruktion der Holzstelzen
samt Zubehör (Kostüme, Knieschützer)
Teile des Workshops darstellen.
In
der Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen des Galpão
zeigt sich nicht selten deren kreatives und erfinderisches
Talent. Im Stelzenworkshop haben sie die Möglichkeit,
neue Ausdrucksformen zu erlernen und, zum Beispiel
in der Produktion eines kleinen Theaterstücks,
auch ihre eigenen Erfahrungen und Lebensgeschichten
zu verarbeiten. Die fast unbegrenzten Möglichkeiten
des Stelzentheaters und die Benutzbarkeit der Stelzen
über einen langen Zeitraum hinweg garantieren
die Nachhaltigkeit des Projekts. Neben den künstlerischen
werden auch psycho-motorische Fähigkeiten der
TeilnehmerInnen wie Gleichgewichtssinn, Körpergefühl,
Selbstvertrauen und Konzentration gestärkt.

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